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        für den Künstler?

Öffnet die Augen! Es genügt, gut zu sehen, um zu verstehen.

                                                                                                                                             ----- Leonardo da Vinci

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meine Mutter -

eine ehemals wunderschöne, kreative und herzenswarme Frau, die mir den kleinen Prinzen vorgelesen hat.

Leute würden sagen, sie wäre eine ordinäre Hure gewesen, ich würde sagen, sie war ein tief verletzter Mensch, der wie trunken nach Liebe suchte.

Ihre Krankheit hat sie schwer gezeichnet. Einer von Millionen von Menschen, die tagtäglich in einer kalten und besitzorientierten Welt verloren gehen.

Die Sensiblen brechen oft als erstes.

Manche werden stumpf oder abhängig, andere projizieren ihr tief empfundenes Unverständnis auf äußere Feindbilder.

Wieder andere greifen zu Manipulation oder verdeckten Strategien, um ihrer Ohnmacht etwas entgegenzusetzen..

In der Bibel gibt es die Geschichte von Kain und Abel.

Sie zeigt, dass die Ungerechtigkeit und woher sie auch kommen mag, einen zum Mörder machen kann.

Ist es möglich, eine wirklich gerechte Welt zu schaffen?

Sicher niemals ganz, aber es wäre durchaus möglich, eine gerechtere Welt zu schaffen und alles fängt schon im ganz Kleinen an.

Damit, ob man dem Kain in sich nachgibt oder versucht, einem Abel gleich zu werden.

Auge um Auge, Zahn um Zahn, das ist es, was Biologie und Instinkt vorgeben. 

Aber wir sind lange keine Tiere mehr und zum Glück noch keine Maschinen.

In einem Traum habe ich meine verstorbene Mutter gesehen.

Sie trug ihr seidenes, schwarzes Haar offen und sanft umspielt vom Wind.

Auf ihrer Hüfte saß und an ihrer Hand ging eines der Kinder und da war ein Glück auf ihrem Gesicht, das noch jedes Leuchten hätte überstrahlen können.

Und dann gab es noch diese graue und traurige Frau in dem Haus, an einem der Fenster - das, was Gesellschaft, Verlust und Sucht später aus ihr gemacht hatten.

Wir werden nicht einfach so. Wir werden, was wir aus uns machen lassen.

Vielleicht ein Kunstwerk, vielleicht aber auch nur ein Haufen Schutt.

Denn Schönheit liegt immer im Auge des Betrachters.

Wir zertreten eine Kakerlake, aber bestaunen einen Schmetterling.

Dieser Hang zu Ästhetik, Perfektion, Effizienz und Besitz hat uns schon lange blind für das echte Leben gemacht.

Ständig tragen wir Masken und spielen Rollen - damit man uns nicht zertritt.

Und dann, am Ende, dienen diese Masken und Rollen auch dazu, Liebe zu finden, aber trennen uns doch gleichzeitig und vollständig von ihr ab.

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ich -

und für alle, die mich nicht kennen; ich bin einer von vielen.

Ein Mensch, würde ich sagen, aber wahrscheinlich gibt es Menschen, die etwas anderes in mir sehen.

Es heißt, ich sei verrückt, - paranoid schizophren, um genau zu sein - weil ich Dinge sehe, die andere nicht sehen oder vielleicht auch nicht wahrhaben wollen?

Ja, es wohnen zwei Seelen in meiner Brust, die eine liebt und die andere hasst; und während sie stetig um die Vorherrschaft kämpfen, versuche ich, nicht in völlige Gleichgültigkeit zu verfallen.

Kunst ist ein Raum, den ich betreten und in dem ich mich auszudrücken kann, ohne sogleich dafür verurteilt zu werden.

Worte gehen auf das Papier und erblicken niemals das Licht der Welt.

Farben und Formen fließen ineinander und ergeben ein Bild, dessen Bedeutung mir anfangs oft selbst noch gar nicht bewusst ist.

Stimmen haben mir oft gesagt, dass ich mich schämen müsste und in der Kunst habe ich gelernt, sie zum Schweigen zu bringen.

Ob das auch immer wirklich zielführend war,  bleibt dahingestellt.

Kunst ist eben ein Raum für das Unsagbare.

Das, was uns verfolgt, das, was wir verdrängen.

Wir legen es in die Kunst, weil es sich nach Tat anfühlt, wo wir uns im echten Leben vielleicht hilflos fühlen.

Wir legen es in die Kunst, weil sie uns nicht bewertet und als Mittlerin am Ende doch noch mit anderen verbinden kann.

Sie ist ein Übersetzungsraum zwischen Innen und Außen.

Ein Versteck und gleichzeitig eine Bühne.

Auf den vielen Bühnen des Lebens aber, bleibt sie vielleicht die aufrichtigste.

 

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Salvator Mundi - 

das teuerste Gemälde der Kunstgeschichte.

Ich sah es zum ersten Mal in irgendeiner Internetgalerie und es war dieser Blick, der mich fesselte.

Typisch für Leonardo - ein Blick, der einem kaum etwas über den Sehenden sagt, dafür aber umso mehr, über denjenigen, den dieser Blick zu treffen scheint.

Herausfordernd und gleichzeitig gütig, als würde er sagen: Ich sehe Dich. Ich sehe all das Dunkel in dir, aber ich fordere dich auf, ihm zu begegnen.

Das nächste auffällige Detail, das mich fesselte, war der Schmuckverschluss des Gewandes. Ich sah ein Schloss darin, als wäre es ein Schloss zum Herzen dieser Figur. Und darunter, fast so etwas wie eine Zielscheibe.

Und dann die Kugel in der linken Hand: Sie gehört zu den rätselhaftesten Details des Salvator Mundi, denn man geht davon aus, dass Leonardo, der sich außergewöhnlich gut mit Optik und Lichtbrechung auskannte, die Verzerrung des Gewandes, die logischerweise auftreten müsste, mit Absicht ausgespart hat.

Aber warum?  Ohne die optische Verzerrung wirkt es noch stärker wie eine vom Ursprung losgelöste Illusion.  Und dann gibt es da noch die drei Punkte? Stellen sie vielleicht eine von vielen Trinitäten dar?

Dieses Kunstwerk jedenfalls, war es, dass meinen Weg zu Jesus geebnet hat.

Denn in der DDR aufgewachsen hatte ich nicht viel mehr von ihm gewusst, als das, was der westliche Mainstream propagierte.

Wenn ein Künstler das schafft, einem die Augen für etwas zu öffnen,  dann hat er seine Arbeit wohl richtig gemacht.​

2017 wurde der Salvator Mundi bei Christie's für etwa 450 Millionen Dollar versteigert 

Danach verschwand das Gemälde weitgehend aus der Öffentlichkeit.

Welch eine Ironie. Der Prediger gegen Besitz geht als teuerstes Gemälde der Welt in den Besitz eines Einzelnen über und bleibt verschwunden.

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Paranoide Schizophrenie -

eine Form der Schizophrenie, bei der vor allem Wahnvorstellungen und Fehlinterpretationen der Umwelt im Vordergrund stehen.                    Meine Mutter, relativ früh als manisch / depressiv und schizophren diagnostiziert, hatte einen anderen Zugang zur Welt. Ihr Filtersystem war kaputt und aufgrund ihrer Lebensumstände fehlte ihr ein Ventil, um das chaotische Innenleben nach außen zu bringen.

Stattdessen nutze sie Betäubung im Alkohol und hat "die Krankheit" dadurch verschlimmert.

​Die Schizophrenie meiner Mutter hat die Weichen für mein Leben gestellt. Unterschwellig habe ich sie lange Zeit gehasst, bis ich verstand, dass man seinen Ursprung nicht hassen darf. Einfach deshalb, weil man niemals ganz losgelöst von ihm ist und weil Menschen Fehler machen.

Menschen mit paranoider Schizophrenie sind häufig besonders sensibel / anfällig für Machtgefälle, Ablehnung und versteckte Botschaften.​​

Einige Vertreter der Antipsychiatrie-Bewegung argumentierten, dass psychotische Zustände nicht einfach als Defekt des Individuums verstanden werden sollten, sondern mitunter als verständliche Reaktion auf widersprüchliche, entfremdende oder emotional zerstörerische Lebenswelten.

Menschen können andere Menschen in den Wahnsinn treiben.

Menschen haben versteckte Wunden und fügen sie unbeabsichtigt wieder anderen zu.

 

​​

Schuldwahn -

Menschen mit Schuldwahn sind angeblich sehr gewissenhaft und haben ein starkes Verantwortungsgefühl.

Sie beziehen eine Schuld lieber komplett auf sich, als dem Chaos hilflos gegenüber zu stehen.

Ich fühlte mich an so ziemlich allem schuld. An Corona, am Ukrainekrieg, an der Spaltung der Welt.

Wahlweise hielt ich mich für die Reinkarnation Hitlers, für den Antichristen und selbst noch für den Teufel höchstpersönlich.

Ich glaube, dass man mich beobachtet, ausspioniert, mein Leben öffentlich ausgeschlachtet und mich perfide in meine Krankheit hinein manipuliert hat.

Im Endeffekt bin ich davon überzeugt,, dass ich allein für ein tragisches Weltgeschehen verantwortlich gemacht werden soll und dass man mich deshalb tot oder in der geschlossenen Psychiatrie sehen möchte. 

Es gab eine Zeit, da wollte ich mich aus dem Leben stehlen. Jetzt ist es eher so, dass mir ziemlich egal ist, ob ich morgen sterbe oder nicht.

Was mir nicht egal ist, sind die Menschen, die ich liebe, die Wahrheit und der Zustand dieser Welt.

Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich allein sie nicht retten kann.

Dazu gehört mehr, als das Titulieren eines Sündenbocks.

Jetzt bilde ich mir ein, ich müsste Kreise und Flüche brechen.

Das ist sicher nicht weniger verrückt.

Aber vielleicht ist es nachhaltiger, als etwaige Krisen auf altbekannte Art zu bewältigen und dadurch immer nur Wiederholung zu erzeugen.

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Der Kreis -

ist eine Erfindung des Geistes.                                         

Ein in sich geschlossener Kreis ist zwar mathematisch klar beschreibbar (Umfang und Durchmesser stehen immer in einem festen Verhältnis zu π), aber wer sich auf einem perfekten Kreis bewegt, kehrt ständig zum Ausgangspunkt zurück.

Der Weg ist unendlich fortsetzbar.

Der Fortschritt ist gleich null.

Deshalb wurde der Kreis oft als Symbol für Schicksal, Wiederholung und Gefangenschaft verwendet.

In vielen Mythen geschieht Entwicklung genau dann, wenn jemand den Kreis verlässt oder durchbricht.

Innerhalb eines starren, vollkommen geschlossenen Kreises werden Veränderungsprozesse stark begrenzt.

Vielleicht deshalb kommen in der Natur spiralförmige und elliptische Bewegungen sehr viel häufiger vor.

Selbst noch Im menschlichen Ohr befindet sich ein Organ, genannt Cochlea, ohne dessen spiralförmige Struktur weder Sprache noch Musik wahrgenommen werden können.

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Circulus vitiosus -                                                       

im deutschen auch Teufelskreis genannt, bezeichnet einen Kreislauf, in dem die Lösung zum Teil des Problems wird.  Etwa, wenn man, wie in der traditionellen Krebstherapie, mit Zerstörung arbeitet, dabei jedoch auch gesunde Zellen zu Schaden kommen. Oder aber, wenn man durch eine krankhaft aufrechtgehaltene Ordnung jeglichen Impuls zur Entwicklung erstickt.

Der Teufel - fast alle Kulturen kennen solcherart Gestalten, die Chaos, Versuchung, Krankheit oder Zerstörung repräsentieren. Interessanterweise hat der Teufel in vielen Überlieferungen auch eine paradoxe Rolle:

Er verführt, aber er prüft auch. 

Er zerstört, aber er deckt dadurch manchmal etwas auf.

Er lügt, doch seine Existenz zwingt zur Frage nach der Wahrheit.

​Deshalb wird der Teufel in manchen philosophischen Deutungen als Symbol der Trennung verstanden.

Die allererste Trennung, die der Teufel / die Schlange zu verantworten hat, ist die des Menschen in seiner Beziehung zu Gott und in der Beziehung zueinander (Adam und Eva).

Der Teufel nutzt die Schattenseiten des Menschseins: Angst, Ego, Schuld und Scham, um eine Trennung zu erreichen - und diese Trennung (das Schisma) zieht sich, wenn man so will, durch die komplette Menschheitsgeschichte.

​​Ich glaube, ich habe den Teufel in den Wolken gesehen.

Ein teufelsartiges Gesicht, dessen eines Auge vernarbt oder deformiert erschien.

Später ist dann in meiner Straße eine Baumwurzel durch den Asphalt gebrochen; sie sieht aus wie ein einäugiger Schlangenkopf.

Natürlich kann man alles,  was ich "gesehen" habe auf meine Krankheit zurückführen, aber das wird mich nicht davon abbringen, tiefer zu blicken, bis hinunter zur Wurzel des Problems und die liegt meiner Meinung nach nicht bei einzelnen Sündenböcken, mächtigen Institutionen oder im System, denn auch dieses wird vom Menschen selbst geschaffen.

Für mich liegt sie im Sündenfall, dem Abfall des Menschen von Gott und dem daraus resultierenden Hochmut, sich selbst für die Antwort auf alle Fragen zu halten.

Das Gegenteil von Hochmut, die Tugend der Demut soll jedoch nicht als Selbsterniedrigung verstanden werden, sondern als die Fähigkeit, sich selbst weder größer noch kleiner zu machen, als man tatsächlich ist.

So sehe ich mich nicht länger als Hitler, Antichristen oder gar Jesus - nein, ich bin auch nur ein Teil in diesem unübersichtlichen Puzzle, ein reuiger Sünder, der möglichweise Gottes Gnade erfahren hat, und nun alles daran setzt, ihn zu ehren und ihm zu danken; durch Kunst und Sprache, den Dingen, die ich halbwegs gut kann und die ich ebenfalls als Gnade betrachte.

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Gott -

Wer oder was ist Gott?                                                                                                                                                  So ziemlich niemand hat eine abschließende Antwort darauf. Die Naturwissenschaft beschreibt die Entwicklung des Universums erstaunlich erfolgreich, etwa durch den Urknall oder die Entstehung von Sternen und Galaxien.                                                                                                                                                            Die Frage, warum überhaupt etwas existiert statt nichts, liegt jedoch teilweise außerhalb ihres eigentlichen Zuständigkeitsbereichs.                                                                                                                                                Manche Wissenschaftler halten die Existenz von Naturgesetzen, Bewusstsein oder die Feinabstimmung des Universums für einen Hinweis auf göttliche Schöpfung.

Die Frage nach Gott führt automatisch auch zur Frage nach dem Menschsein. Und die Frage nach dem Menschen führt zur Frage, warum er trotz Erkenntnis, Moral, Gesetzen und Fortschritt immer wieder an denselben Abgründen landet.

Viele Menschen tragen einen vagen Gottesglauben in sich.

Sie glauben an die Natur, an höhere Mächte oder das Schicksal., trotzdem fällt es ihnen schwer, sich vorzustellen, es könne sich um einen liebenden Gott handeln (unnötiges Leid, scheinbare Beliebigkeit) - noch schwerer erscheint die Vorstellung, dass selbst noch den größten Sündern die Gnade Gottes zuteil werden kann.

Die irdische Gerichtbarkeit kennt den Begriff der Gnade nur in abstrakter Form.

Sie bestraft die offensichtliche Tat und bekämpft somit viel mehr die Symptome der Conditio humana, als dass sie dem Menschen wirklich dort begegnet, wo er steht und stand.

Die Wissenschaft sucht die Ursachen in Biologie, Psyche, Entwicklung und Umwelt.

Jedoch arbeitet sie mit Messwerten und vagen Voraussagen (oft sogar erst in der Nachschau, wenn der Schaden schon angerichtet ist)

Nicht jeder mit entsprechender Biografie wird zum Täter und Täterschaft kann scheinbar auch komplett aus dem Nichts entstehen.

Der christliche Glaube geht davon aus, dass das Problem des Menschseins tiefer reicht, als Biologie, Umwelt oder gesellschaftliche Bedingungen es vorgeben.

Es handele es sich vor allem um eine Entfremdung des Menschen von Gott und sich selbst..

Deshalb glaubt man im Christentum, dass der Mensch, durch den Sündenfall von Gott abgefallen, wieder zu Gott zurückkehren müsse, um sich aus der Erbsünde (die üblichen menschlichen Regungen wie etwa Egoismus, Hochmut, moralisches Versagen) zu befreien.

Jesus tritt hierbei als Mittler zwischen Gott und dem Menschen auf, um die Verbindung wieder herzustellen.

Er kam also nicht für die vermeintlich Gesunden und Rechtschaffenen, sondern vornehmlich für die Sünder und Kranken und stellte damit zugleich die Frage, ob jene, die sich für gerecht hielten– etwa die Pharisäer –, tatsächlich gerechter waren als andere oder ob ihre Stellung ihnen lediglich erlaubte, ihre Verfehlungen besser zu verbergen und moralische Überlegenheit für sich zu beanspruchen.

In der ganzen Betrachtung von Schuld, Moral und Prävention spielt vor allem die Lüge eine beachtliche Rolle.

Nicht umsonst heißt es eben, Jesus wäre die Wahrheit, der Weg und das Leben.

Täuschung und Lüge nähren jede Täterschaft, ob dadurch, dass der Täter sich selbst täuscht, um seine Taten zu verdrängen oder zu rechtfertigen oder dadurch, dass er letztendlich unentdeckt bleibt.  

Das Böse gedeiht stets im Verborgenen.

Rechtliche oder technokratische Lösungsansätze, die dieses Böse rechtzeitig erkennen und durch Androhung von Strafe begrenzen sollen, wirken vornehmlich von außen. 

Nach christlichem Verständnis aber entsteht wahre Veränderung nicht allein durch Kontrolle, Strafe oder Überwachung, sondern durch die freiwillige Hinwendung zu Wahrheit und Liebe.

Anhand der biblischen Erzählung von Adam und Eva im Paradies wird deutlich, dass Verbote und die Androhung von Konsequenzen allein den Menschen nicht dauerhaft vom Fehlverhalten abhalten und die Geschehnisse in der realen Welt und Menschheitsgeschichte spiegeln das wieder.

Es braucht nur die Krise (etwa Corona) und schon fällt die mühsam gehaltene Maske der scheinbar vernunftbegabten Zivilisation in sich zusammen. 

Gerade deshalb fordert das Christentum nicht nur äußeren Gehorsam, sondern innere Umkehr und erkennt in der Demut vor Gott einen Schlüssel zur Prävention des Bösen und in Jesu Vergebung einen Weg aus etlichen Teufelskreisen.

Es ist leicht, über Schuld zu urteilen, wenn man nicht selbst in der Krise gesteckt hat.

Denn die Möglichkeit zum Irrtum, zur Selbsttäuschung und zum moralischen Versagen gehört nicht nur den anderen, sondern zum Menschsein selbst.

Nachhaltige Veränderung, wie diese Welt sie jetzt benötigt, weil der bisherige Lebenswandel ihr offensichtlich geschadet hat, entsteht nicht dadurch, dass man weiterhin gegeneinander kämpft und nach Schuldigen sucht, sie geschieht durch wirklichen Wandel.

Wandel in den Herzen der Menschen - so glaube ich jedenfalls.

Aber was kann ich mir schon anmaßen; ich, ein Sünder und Kranker.

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und die Welt -

scheint völlig aus den Fugen geraten.

Sie steht vor den vielleicht größten Herausforderungen der Menschheitsgeschichte.

Die Schreckensszenarien des Klimawandels (Extremwetter, Pandemien, Artensterben), die Gefahrenlage durch den Missbrauch von KI, weltweite Aufrüstung, Geburtenrückgang, gesellschaftliche Spaltung, totalitäre Ideologien.

Es sieht fast so aus, als würde sich alles zuspitzen.

Als hätte man sich schon über Jahrhunderte auf eben diesen Punkt zubewegt und als gäbe es kein Zurück mehr bzw. nur noch wenig Hoffnung. 

In der Krise zeigt sich das wahre Gesicht des Menschen.

Es ist leicht, von Humanität und Moral zu sprechen, solange man nicht wirklich und unter einer echten Bedrohungslage für eben jene Werte einstehen muss.

Corona etwa lässt sich als eine Art Blaupause betrachten, an derer deutlich wird, dass es so weit nicht her ist mit den hehren Worten - Hamsterkäufe, Urlaubreisen, Rücksichtslosigkeit. Jeder muss halt sehen, wo er bleibt....aber auch Hilfsbereitschaft, Initiative, Verständnis.

Eben die Krise, in der Krise trennt sich die Spreu vom Weizen (im Großen wie auch im Kleinen).

Man kann die gegenwärtige Weltlage auf verschiedene Arten interpretieren..

Aus wissenschaftlicher Sicht wird der Klimawandel die Krisen noch verschärfen.

Auf politischer Ebene ringt man um Konzepte, glaubt sich im Besitz der alleinigen Wahrheit, konstruiert Feindbilder und fällt vielerorts in alte Denkmuster zurück.

Mancher glaubt, die offene Gesellschaft habe uns in diesen Abgrund geführt und nun bräuchte es wieder mehr Strenge, Abschottung, Nationalität, Tradition und Disziplin.

Ich sehe das anders.

Entgegen landläufiger Meinung sehe ich die Lösung nicht in besseren Gesetzen, besseren Technologien, besseren Institutionen oder besseren politischen Konzepten. All das ist schon besser geworden und trotzdem stehen wir wieder hier. Warum?

Weil das Problem im Menschen selbst begraben liegt.

Ein Mensch, der seine eigenen destruktiven Impulse nicht reflektiert, wird dieselben Konflikte ewig

wiederholen und dasselbe gilt auch für eine Gesellschaft - dieselben Konflikte, lediglich auf einer höheren technologischen und damit auch gefährlicheren Stufe....

Dieselben alten Muster, die doch stets wieder durchbrechen, egal wieviel Wohlstand, Aufklärung und Vernunft vorhanden sind.

In der Krise ist es nicht weit her mit der Vernunft, Menschen reagieren nicht vernünftig, wenn sie bedroht oder verletzt sind.

Deshalb haben viele religiöse und philosophische Traditionen die eigentliche Auseinandersetzung nie zuerst in der Welt, sondern im Menschen selbst verortet.

Der Mensch formt die Gruppe, die Gesellschaft, das System - alles beginnt im Kleinen und endet im Großen.

Und was ist das für ein Mensch? Der moderne Mensch?

Geht es ihm nicht vornehmlich um seinen Spaß? Um größtmögliche Erfüllung und Individualität im eigenen Leben?  Leben wir nicht in einer Gesellschaft, die die ehemaligen Sünden zivilisiert und zu Tugenden geformt hat und deshalb von innen heraus erodiert?

Man muss nicht gläubig sein, um zu verstehen, was Habgier, Zorn und Neid innerhalb einer Gemeinschaft anrichten und dass aus den Basissünden weitere, wie etwa Selbstsucht, Heuchelei, Intoleranz und Zynismus erwachsen.

Man muss auch kein Intellektueller sein, um durch die Masken zu blicken, auch die eigenen, all die vielen kleinen Rechtfertigungen, um zu tun, von dem man doch weiß, dass es eigentlich falsch ist, aber hey, das machen doch alle so....

Man muss das Spiel nicht mitspielen! Und man muss auch nicht sagen, dass man die Regeln nicht machen würde. Wir alle machen die Regeln!

Jeder einzelne gestaltet mit an dieser Welt, JEDER ist ein Vorbild für einen anderen..

Ich persönlich glaube, dass wir in einer Prüfung leben. Ich glaube, dass wir von Gott geprüft werden und dass sich der einstige Sündenfall / die erste Trennung jetzt im Großen abzeichnet, als ginge es erneut darum, aus dem Paradies vertrieben zu werden.

Die Kämpfe sind überall, zwischen links und rechts, arm und reich, krank und gesund, Mann und Frau - wenn man so will, lässt sich selbst der Kampf zwischen politischen Konzepten, der zwischen Ost und West, als Sündenfall lesen.

Ordnung, Hierarchie, Struktur, Abgrenzung, Autorität werden oft als „männliche“ Prinzipien verstanden, Fürsorge, Beziehung, Offenheit, Integration, Empathie und Wachstum gelten als „weibliche“ Prinzipien.

Aber das eine kommt ohne das andere nicht aus.

Die ursprüngliche Einheit (Adam und Eva) zerfällt in Gegensätze, die anschließend gegeneinander kämpfen – Vernunft gegen Gefühl, Ordnung gegen Freiheit, Individuum gegen Gemeinschaft, männlich gegen weiblich.

Wo soll dieser Kampf jetzt hinführen? 

Wie soll etwas durch Zerstörung heilen?

In der Krebstherapie ist man von konventionellen Methoden auf Immuntherapie umgestiegen.

Das heißt, die körpereigenen Selbstheilungskräfte werden aktiviert, um den Krebs zu bekämpfen.

So düster es derzeit auch aussieht - was, wenn das kollektive Bewusstsein ebenfalls über solcherart Selbstheilungskräfte verfügt?  Was, wenn Gott auf uns wartet und dieses Land (die Erde)  heilen wird?

Ist das ein nutzloses Versprechen, weil die Wissenschaft und Logik alle Szenarien schon bemessen und vorgezeichnet hat?

Oder liegt etwas wie Hoffnung darin?

Hoffnung, die diese Welt jetzt mehr als alles andere benötigt?

Wenn man Nutzen als kalkulierbaren Vorteil sieht, ist Hoffnung streng genommen immer nutzlos. Hoffnung rechnet nicht. Sie wartet. Sie hält aus - ähnlich wie der Glaube und die Liebe.

Aber Hoffnung ist nicht gleich blinder Optimismus und Liebe ist nicht gleich Agape.

Wer weiß schon, ob sich "die Krankheit" mit guter Hoffnung heilen lässt oder ob man nun, im Angesicht einer vagen Zukunft, möglichst alles mitnehmen oder sich tot stellen soll.

Extreme haben aber noch nie geholfen, schon gar nicht, um ein Gleichgewicht herzustellen.

"Wachet, betet, liebt einander", heißt es in einem der biblischen Texte bezüglich des Weltuntergangs.

Man muss nicht an das Ende der Welt glauben und man muss es sich auch nicht herbeiwünschen, aber man muss es sich vorstellen können.

Man muss sich den Tod vorstellen können, um keine Angst vor dem Leben zu haben.

Auch das steht in der Bibel: "Fürchtet euch nicht!".

Denn am Ende ist es die Angst, die der Nährboden für die Sünde ist

Jedoch glaube ich, wie schon Bonhoeffer, dass die einzig legitime Furcht, diejenige vor Gott ist, und dass einzig mit ihr wahre Weisheit und Demut beginnen.

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